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PPM Innovationspreis 2011
Männer ticken anders. Konzept zur Betreuung dementiell veränderter Männer gewinnt PPM Innovationspreis 2011
Berlin, 21. September 2011, im Rahmen des 9. PPM Kongresses in Berlin zeichneten PPM PRO PflegeManagement Verlag & Akademie bereits zum 5. Mal infolge ein herausragendes Konzept in der Altenhilfe aus. Thema der diesjährigen Ausschreibung war die Betreuung von Menschen mit Demenz. Aus zahlreichen Einsendungen ging das Seniorenzentrum St. Josef als Gewinner hervor, das die Fachjury mit seinem individualisierten Konzept zur Betreuung dementiell veränderter Männer überzeugte.
Männer ticken anders als Frauen. Sei nun dahingestellt, ob Männer, dem Bestseller von John Gray zufolge tatsächlich vom Mars und Frauen von der Venus kommen. Ohne Frage gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede aber auch individuelle Bedürfnisse, die es im täglichen Zusammenleben zu verstehen und beachten gilt. Dies ändert sich auch bei einer Demenz nicht. Im Gegensatz zu Frauen leben Männer Ihre Demenz deutlich körperbetonter aus. Wenn es z.B. um das Räumen von Möbeln gilt, so werden eben nicht nur Tische und Stühle, sondern gleich ganze Schrankwände verschoben. Auch im Umgang mit weiblichen Pflegekräften treten neue Herausforderungen auf, da Männer eben nicht als geschlechtslose Wesen agieren. Hinzu kommt die erhöhte Aggressivität als Symptom der Demenz.
Aufgrund der oft überwiegenden Anzahl weiblicher Bewohnerinnen fehlt es in vielen Einrichtungen jedoch an spezifischen Angeboten für dementiell veränderte Männer. Das weiblich orientierte Betreuungsangebot ist für Männer in Einrichtungen daher häufig alternativlos.
Mit seinem Konzept zur Betreuung dementiell veränderter Männer geht das Seniorenzentrum St. Josef hier neue Wege. Der Ansatz besteht aus einem Bündel von Maßnahmen, die sinnvoll ineinander greifen. So bietet die Einrichtung neben der üblichen Gruppenbetreuung eine überwiegend personenzentrierte und individuelle Einzelbetreuung an. Ungewöhnlich: Methodisch werden zwei Ansätze kombiniert. Mittels des Dementia Care Mapping nach Tim Kitwood wird zunächst ermittelt, bei welchen Aktivitäten individuell ein höheres Wohlbefinden zu verzeichnen ist, um dann nach dem psychobiografischen Pflegemodell von Prof. Erwin Böhm die aktuelle emotionale Erreichbarkeitsstufe der Bewohner zu erheben. Beides zusammen dient als Grundlage zur Entwicklung spezieller und angemessener Impulse.
Zu jedem Bewohner werden so Biografien erstellt, die weit über das hinausgehen, was der MDK fordert. Einrichtungsleiter Christian Krautscheid bringt es auf den Punkt: „Nicht nur die richtige Zahnpasta ist wichtig, sondern vor allem die Angaben zur Gefühlsbiografie.“
Das Betreuungsangebot ist vielfältig und reicht von einer eigens für Bewohner eingerichteten Werkstatt, in der gehämmert und gebaut werden kann bis zum „Stammtisch“ in geselliger Atmosphäre bei dem mit Menschen aus dem Dorf der neueste Klatsch und Tratsch ausgetauscht werden kann.
Zudem ist man dazu übergegangen verstärkt männliche Pflegekräfte einzustellen, deren Quote nun bei rund 50 % liegt. Dadurch wird auch der Schamgrenze der Bewohner mehr Respekt und Schutz entgegengebracht.
Abgerundet wird das Konzept durch gezielte Deeskalationstrainings für Mitarbeiter. So werden diese in den Bereichen verbale Deeskalation, sichere Annäherung und Flucht- und Abwehrtechniken geschult. In kleinen Gruppen lernen die Mitarbeiter so, Aggressionen bereits im Vorfeld zu vermeiden oder ihnen im Falle eines Falles erfolgreich zu begegnen. Sie erfahren und üben, wie Sie ihre Stimme einsetzen, welche Umgangsformen sie pflegen und wie sie sich im Notfall verhalten sollten.
Der Erfolg ihres Konzepts gibt der Einrichtung Recht. Bereits seit Jahren übersteigt die Nachfrage, das vorhandene Angebot um ein Mehrfaches. Auf Mitarbeiterebene führt das identitätsstiftende Pflegemodell zu einer hohen Mitarbeiterzufriedenheit und einer extrem geringen Fluktuation. Und letztendlich erfahren männliche Bewohner durch die angepasste Milieugestaltung wieder Wohlbefinden und blühen regelrecht auf. Männer ticken eben anders. Im Seniorenzentrum St. Josef ist das ist in jedem Fall gut so.
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